Montag, 16. März 2009

McCoys Träume

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Buchbesprechung Carter, Carmen: McCoys Träume. Heyne, 1987.

Story: Die USS Enterprise NCC-1701 treibt, nachdem sie hinterhältig in ein Falle gelockt wurde, hilflos im All. Captain Kirk hat viele Crewmitglieder verloren und auch ein anderer Verlust trifft ihn hart: Sein alter Freund und Kupferstecher McCoy leidet infolge eines Unfalls an einer schweren Amnesie, die ganze 25 Jahre zurückreicht. Doch Pille ist weder in der Lage, dem ihm nunmehr unbekannten Captain des fremden Schiffes zu helfen, noch möchte er das Leben akzeptieren, in dem er sich unvermittelt wiederfindet…

Lobenswerte Aspekte: Um es vorwegzunehmen: Der Roman ist – trotz seines verwirrenden Titels – gut. Der Umfang der einzelnen Kapitel ist relativ überschaubar und ermöglicht gut ein Lesen in Abständen. Die Charaktere sind, was zugegebenermaßen nicht oft vorkommt, gut getroffen und wirken in den meisten Szenen glaubwürdig. Dazu trägt das Fachwissen der Autorin bei: Von der Zimmernummer McCoys bis hin zur politischen Orientierung der Orioner hat sie sich gewissenhaft ans Original geheftet und im Endeffekt etwas zusammengeschustert, was ich mir durchaus als TOS-Episode vorstellen könnte (auch wenn diese außergewöhnlich blutrünstig wäre). Durch das Hauptaugenmerk auf das Triumvirat aus Pille, Spock und Kirk kommen die Nebencharaktere zwar etwas kurz, aber dies ist nicht unbedingt von Nachteil, zumal sie ebenfalls oft genug zu Wort kommen. Gerade die Schilderung ihres Tagesablaufs und die Cliquenbildung bei der Beerdingung empfand ich als äußerst interessant und nachvollziehbar.

Kritikwürdige Aspekte: Ich gebe es offen zu: Ich wollte diesen Roman hier eigentlich zerreißen. Der Titel „McCoys Träume“ klang so schwülstig, dass ich mit geringen Erwartungen und kritischen Blick an das Buch herangegangen bin. McCoy ist ein komplexer Typ Mensch und einer meiner absoluten Lieblingscharaktere; daher hatte Carmen Carter gleich zu Beginn einen denkbar ungünstigen Start vor sich. Doch ich wurde positiv überrascht. Die kritikwürdigen Aspekte fallen daher etwas geringer als erwartet aus.
An der ersten Stelle meiner Beschwerdeliste steht wie so oft die halbherzige Übersetzung. Der schuldige Translator Andreas Brandhorst war scheinbar nur mäßig mit der Materie vertraut, denn obwohl er glücklicherweise von „Pille“ und nicht „Knochen“ spricht, nennt er Gedankenverschmelzungen „Mentalverschmelzung“ (S. 108) und die Untertassensektion „Diskussegment“. Von Rechtschreibfehlern wie „orgianisch“ oder „desaktivieren“ (S. 119) sei nur am Rande berichtet. Warum alles, was mit dem Ärztestab zu tun hat, im gesamten Roman den Vorsatz „Medo“ erhält ("Medo-Abteilung" (S. 11),
"Medo-Geräte" (S. 58), "Medo-Gruppe" (S. 67), "Medo-Offizier" (S. 95), "Medo-Teams" (S. 34), "Medo-Sektion" (S. 48), "Medo-Computern", (S. 48), "Medo-Tasche"(S. 228)) ist mir schleierhaft. Doch die Namenswelt an sich erscheint gleich auf den ersten Seiten schwierig: Zum einen nennt sich die klingonische Heimatwelt noch "Klinzhai" (S. 8) und zum anderen entstammt der entsprechende Hauptprotagonist dem "Haus von Kotzher" (S. 7).
Appetitlich, oder?! Stichwort! In der Mitte des Buches findet der aufmerksame Leser, als ob er hier eine Werbepause in einem Spielfilm benötigen würde, Reklame für die Fünf-Minuten-Terrine von Maggi. Etwas deplatziert, abba dadurch sogar irgendwie komisch.
Schließlich kam mir der Abschluss von Neben- und Haupthandlung etwas überfallartig daher. Plätscherte die Story über viele Seiten eher dahin, überschlug sie sich auf den letzten Seiten förmlich. Zusätzlich dazu wirkte der Schreibstil an einigen Stellen wie aus einer Erzählung für Jugendliche kopiert und nimmt so zu oft den Ernst aus den geschilderten Vorgängen, die im Gegenzug dazu recht blutrünstig sind. Unter anderem dadurch entsteht beim Leser das Gefühl, dass die bedrohlich
en Gegner irgendwie eine abscheuliche Kreuzung aus den „Alien“-Viechern und den Slurm-Schnecken aus Futurama sind.

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Personenbezogene Werbung: Was ist Star Trek ohne Kartoffelbrei??

Anachronismen: Der Inhalt schmiegt sich eng an den TOS-Handlungsrahmen und vermeidet einen Blick über den Tellerrand. Dadurch entstehen auch kaum Kreuzungen mit vitalen Erzähladern des Star-Trek-Universums, und es kommt so nur zu wenigen Schnitzern. Einer der Fehler wäre etwa, dass die Fühler von Andorianern nach hinten neigen sollen, wenn sie sich mit Familienmitgliedern beschäftigen. Ich hab dies bei ENT nicht beobachten können, aber streng genommen muss das nicht bedeuten, dass sie nicht recht hätte.
Niedlicher sind eher die Fehler, die sich aus dem Technikverständnis der AUTORIN ergaben. So hantiert Spock noch immer mit Kassetten (für die Jungspunde unter euch: hier ist eine Erklärung, was das war); und das dargestellte Verhältnis von Unterlichtgeschwindigkeit zu Überlichtgeschwindigkeit spottet selbst dem Verständnis eines Fahrradfahrers, der sein eigenes Vorankommen mit dem eines Transrapids vergleicht.
Außerdem wird an diversen Stellen noch immer vom monetären Zahlungswesen berichtet; doch dies geschieht gelegentlich auch bei TOS und in den ersten sechs Kinofilmen.

Fazit: „McCoys Träume“ ist ein überraschend guter TOS-Roman, der eine nette TOS-Episode ergeben würde. Natürlich hat er seine Schattenseiten, doch das Werk ist unterhaltsam, glaubwürdig und gut zu lesen. Der Titel hat nur peripher mit dem Inhalt zu tun und McCoys Darstellung als bärtiger Landarzt im ersten Star-Trek-Film erscheint nach der Lektüre nur noch logischer.

Denkwürdige Zitate:

Wir sind Starfleet-Offiziere, keine Beamten des Interstellaren Zolls.“ Pille, S. 16

Die Klingonen denken nicht vernünftig – Sie sind Kosaken.“, Chekov, S. 23

Nun, Ihr Bewusstsein hat es vielleicht vergessen, aber ihr Körper erinnert sich bestimmt daran. Saurianischer Brandy ist ein guter alter Bekannter für ihren Blutkreislauf.“ Kirk, S.98

Bewertung: Lohnenswerte Überwindung!

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Kommentare:

  1. Ich bin gerade dabei, das Buch zu lesen, und was mich stört ist, dass die Krankenstation viel größer als in der Serie dargestellt wird, mit mehreren Sektionen, Zimmern und Operationssälen. Außerdem scheint es im Buch viel mehr Ärzte zu geben als in der Serie dargestellt. Soweit ich weiß, gab es da neben McCoy nur Dr.M´Benga. Ansonsten finde ich das Buch bisher aber recht gut.

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  2. Also, ich habe diese Bewertung gelesen und mir sofort das Buch auf Ebay besorgt ;-)!

    Ich bin zwar erst 11 jahre alt(bald 12!!), trotzdem liebe ich Star Trek und McCoy gehört auch zu meinen Lieblingen :)...

    Ich erwarte das Buch gespannt...

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